VZ Thementag 2017 im Museum Liaunig | Gutes kommt quer

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14. Juli 2017, Neuhaus. Unter dem Motto ‚Gutes kommt quer‘ wurden beim diesjährigen Denktag im Netzwerkkreis, dem VZ Thementag 2017 im Museum Liaunig persönliche Treiber für Verantwortung und künftige Knotenpunkte zwischen Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert; zudem die Frage, ob es notwendig sei, Gutes tun zu verpacken. Eindrucksvoller Kunstgenuss rundete den intensiven Tag ab.

Bei einem Begrüßungsfrühstück starteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den VZ Thementag 2017, der heuer ganz in den Süden Kärntens führte. Das Ambiente des Museums Liaunig bot einen besonderen Rahmen für den diesjährigen ‚Denktag‘ im Netzwerkkreis. Kunstgenuss verband sich mit intensiven Diskussionen, die das Motto Gutes kommt quer spiegelten.

Nach einer persönlichen gedanklichen Schatzsuche der teilnehmenden Führungskräfte über das individuell Gute der letzten Jahre begann die Diskussion im Plenum in der Bibliothek des Industriellen Herbert Liaunig. Landesrat Rolf Holub, in Kärnten zuständig für den Fachbereich Nachhaltigkeit brachte einleitende Gedanken: ‚Verantwortung ist die Musikalität des Herzens, man spürt sie oder man spürt sie nicht‘, so Holub. Man könne und müsse sie aber bewusst machen und fördern; dass dies im Netzwerk Verantwortung zeigen! geschehe, begrüßt Holub und bot weitere Zusammenarbeit an. Der kurzfristige individuelle Genuss dürfe nie zulasten des langfristigen Bestands gehen, darauf wies Holub anhand mehrerer Beispiele hin.

Gute Unternehmen graben tiefer
Fachlich leitete dann FH-Professor Dr. Dietmar Sternad den Thementag ein. Unternehmen die Sinn stiften und echten Mehrwert schaffen, seien auch ökonomisch nachweislich überdurchschnittlich erfolgreich. Sternad belegte diese These anhand zahlreicher internationaler Fallstudien, die er kürzlich in seinem Buch Digging deeper mit Hochschulkollegen aus New York und Irland veröffentlicht hat. Worum gehe es Unternehmen, die sinnbildlich tiefer graben:

  • der Ruf ist ihnen extrem wichtig
  • sie stellen Substanz vor Gewinn
  • sie gehen nur so viel Risiko, wie sie auch bewältigen können
  • sie erneuern sich aus ihrer Tradition heraus ständig
  • sie setzen auf nachhaltige Beziehungen und
  • sie machen ihre Ortsverbundenheit zum Wettbewerbsvorteil
  • sie verstehen sich als lernende Gemeinschaft
  • sie anerkennen Grenzen.

Damit spiegle das Geschäftsmodell all dieser Unternehmen den Sinn ihres Tuns. Respondere heißt Antwort geben auf Fragen, die sich andere so nicht stellen, sie seien aber enorm wichtig, so Sternad.

Verpackung als Vorfreude auf den Inhalt
Der Frage, ob es denn überhaupt notwendig sei, Gutes zu verpacken, widmete sich der em. Universitätsprofessor Dr. Peter Heintel in seinem Impulsvortrag. Verpackung dürfe niemals vom Wesentlichen ablenken; im Thema Nachhaltigkeit werde schließlich viel zu viel verpackt, vieles verkomme zum Marketingetikett. Aber ein wenig neugierig machen dürfe und solle Verpackung schon, so Heintel. ‚Schließlich freue ich mich beim Aufpacken eines hübsch verpackten Geburtstagsgeschenks auch‘ – die Verpackung solle Vorfreude wecken, dürfe aber nie den Inhalt überdecken.

Bei der Arbeit am Guten riet Heintel immer wieder zu hinterfragen „Wollen wir es so haben, wie es jetzt ist?“. Unternehmen bräuchten ein Management des Gutes, die regelmäßige bewusste Auseinandersetzung mit Zielkonflikten und Möglichkeiten. Sonst dominierten Werbung und Verführung – Verpackung eben und das Produkt selbst werde zunehmend wertlos und hohl. Vorsicht: jedes Foto, jede Form der Kommunikation eines Unternehmens ist Verpackung.

Qualität, Vertrauen, Glaubwürdigkeit
Die nachfolgende Diskussion im Plenum spannte einen breiten Bogen:

  • Ist die Ästhetik, die Verpackung ein Hinweis auf die Qualität des Produktes oder gilt eher ‚Je aufwendiger die Verpackung, umso geringer der Wert des Produktes?
  • Das Vertrauen in eine Marke oder eine Person entscheidet, ob der Verpackung getraut werden kann.
  • Helfen Siegel und Zertifikate in der glaubwürdigen Unterscheidung wirklich?
  • Marken sind heute kein ausreichender Garant für hohe unternehmerische Verantwortung mehr.

Mit all diesen Überlegungen gehen die Teilnehmer am Nachmittag in die Themengruppen des Tages. Doch zuvor steht eine Führung durch die Ausstellung ‚Kontinuität und Brüche‘ und gemeinsames Käsnudelessen am Programm.

Zwischen Motivation, Gesellschaft und Mut
Nachmittags bot das Ambiente des Museums einen anregenden Rahmen für die intensive Themendiskussion:

  • Gruppe 1 machte sich auf die Suche nach der persönlichen Motivation für Verantwortungsübernahme und gesellschaftliches Engagement.
  • Gruppe 2 erarbeitete, was eine modere Gesellschaft zusammenhält.
  • Gruppe 3 erdachte Ideen, viele gute Taten zu einem Ganzen neu zu verpacken. Vorbild ist das Museum als mutige Verbindung seiner Einzelkunstwerke.

Bei einem Glas Wein stellten die Teilnehmer dann ihre Ergebnisse im Plenum vor. Mit der Abschlussreflexion durch em. Univ-Prof. Peter Heintel schloss ein intensiver Tag, an dem die Teilnehmer auch ein VZ Commitment verabschiedeten, eine Art verbindendes Leitbild aller Unternehmen und Promotoren des VZ Netzwerks.

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