Runder Tisch thematisiert die Zukunft der Lehre
Graz, 24. Oktober 2024. Gute Lehre – was macht sie aus? Wie attraktiv ist die Lehre heute für junge Menschen? Wo liegen Potentiale, mehr Junge zu bewegen, sich für eine praktische Berufsausbildung zu entscheiden? Und welche neuen Möglichkeiten bieten sich auch angesichts der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung, Menschen für diese Form des Berufseinstiegs zu gewinnen, zu fördern und auch über die Ausbildungszeit an das Unternehmen zu binden?
Diese und weitere aktuelle Fragen haben auf Initiative und Einladung der Verantwortlichen von BILLA Steiermark mit den Vertretern von Unternehmen aus Industrie und Energiewirtschaft sowie mit den Verantwortlichen von WK, AK und dem AMS Steiermark, von LebensGroß und dem NEBA Betriebsservice und nicht zuletzt mit jungen Leuten im Rahmen eines Verantwortung zeigen! Dialoges am Runden Tisch diskutiert.
Junge Menschen wünschen sich Entwicklungsperspektiven
Eine hochkarätige Runde konnten Peter Gschiel, Vertriebsdirektor BILLA und BILLA plus Steiermark und Südburgenland und Iris Straßer vom Netzwerk Verantwortung zeigen! im neuen Ausbildungszentrum von Billa Steiermark in der Alte Post Straße in Graz an diesem Tag begrüßen. „Wir könnten über das Thema der Lehre mehrere Tage sprechen, wollen uns heute aber bewusst der Zukunft der dualen Ausbildung widmen. Wo steht die Lehre in 10 Jahren und was braucht es auch an gemeinsamer Anstrengung, damit wir weiterhin genügend motivierte und gute Fachkräfte in der Wirtschaft haben“, so Gschiel zum Einstieg in den Vormittag und hieß die Gäste am Runden Tisches und auch die jungen Menschen herzlich willkommen.
Gleich zu Beginn bat Straßer dann alle TeilnehmerInnen, auf Karten festzuhalten, was denn gute Lehre im Kern ausmache: Ausbildner, die fördern und fordern, eine Entwicklungsperspektive zu haben, konnte man öfter lesen.
Dann teilten Sandra Kovacs, Lehrlingsverantwortliche bei BILLA in Österreich und die Leiter der Lehrlingsausbildung von KNAPP, Christoph Haidic, und Alexander Krampl von der Energie Steiermark ihre Erfahrungen, sie berichteten, was die Lehre in den einzelnen Unternehmen besonders macht. Und sie sprachen Themen an, die es für die Zukunft im Blick zu halten gilt: Gute Ausbildung kostet Zeit, „wir brauchen gute Ausbilder mit Herz“. Und auch das Thema der psychischen Gesundheit der jungen Menschen brauche hohe Aufmerksamkeit.
Engagierte Lehrlinge aus den teilnehmenden Unternehmen brachten als aktives Publikum ihre Erfahrungen ein: Am wichtigsten ist es für sie, Entwicklungschancen im Unternehmen zu haben und gefördert, aber auch gefordert zu werden. Eine Zwischen-Lehrabschlussprüfung helfe beispielsweise den Billa-Lehrlingen zu sehen, wo sie in der Ausbildung stehen. „Das motiviert uns dann, weiterzumachen und alles zu geben.“
Allerdings sei heute keineswegs mehr sicher, dass alle jungen Menschen die notwendigen Grundkompetenzen mitbringen, so Roswitha Krenn, Direktorin der Landesberufsschule Bad Radkersburg und ihre Kollegin und Schulkoordinatorin Sabine Bauer. Daher, so Krenn, brauche es kleinere Gruppen in der Berufsschule, um sich angesichts der Heterogenität junger Menschen in Bezug auf Alter, Vorbildung und Herkunft dem Einzelnen gezielter widmen zu können.
Wir können es uns nicht leisten, auf das Potential von Menschen zu verzichten
Als institutionelle Vertreter saßen der Geschäftsführer des AMS Steiermark Karl-Heinz Snobe, der Leiter des WIFI-Kuratoriums Markus Kohlmeier als Vertreter der WK Steiermark und Barbara Huber, Abteilungsleiterin Jugend und Lehrausbildung bei der AK Steiermark am Runden Tisch. Kohlmeier und Huber sprachen sich gleichermaßen für gute Lehrbedingungen aus und betonten die enge Zusammenarbeit darin, Lehrbetrieben auch entsprechendes Feedback zu geben. „Wir müssen uns auch noch viel stärker mit den Stärken der jungen Menschen beschäftigen und ihnen die Vielfalt der Ausbildungsberufe zeigen“, betonte Kohlmeier und berichtete von den vielfältigen Angeboten des Talent-Center des WIFI.
Aus Arbeitsmarktsicht werde die Lehre nicht nur als Ausbildungsform für junge Menschen bedeutsam bleiben. „Auch die Erwachsenenlehre wird zunehmend Thema werden“, so Snobe. „Unser Ziel muss sein, dass jeder Mensch eine Berufsausbildung macht. Wir müssen dabei immer diversere Gruppen im Blick behalten und auch die psychische Situation berücksichtigen“, so Snobe.
Hier haken Susanne Maurer-Aldrian, Geschäftsführerin LebensGroß und auch Simone Kosnik vom NEBA Betriebsservice Steiermark in ihren Beiträgen ein: „Wir können es uns nicht leisten, auf das Potential von Menschen zu verzichten, die vielleicht Hilfe beim Einstig ins Arbeitsleben brauchen“. Da brauche es auch noch mehr Information für die Betriebe über die Möglichkeiten der Begleitung von Menschen, die nicht aus eigener Kraft eine Lehrstelle finden und eine Lehre absolvieren können. Das gilt für Menschen mit Behinderung, aber auch für Menschen mit Migrationshintergrund. Es sei Starthilfe, die sich vielfach lohne. Dies bestätigte Gastgeber Peter Gschiel: „Wir dürfen für die Zukunft niemanden exkludieren und dafür die passenden Arbeitsbedingungen in unseren Unternehmen schaffen. Inklusion macht etwas mit uns Menschen – und mit der Gesellschaft.“
Am Ende stand der Wunsch nach Weiterführung der Vernetzung und eine Einladung der WK ins Talent-Center. Und der Dank der Lehrlinge von Billa, KNAPP und Energie Steiermark an ihre – zweifellos vorbildlichen – Ausbildungsbetriebe.
Hier geht es zu allen Fotos vom VZ Netzwerkdialog „Zukunft der Lehre“.