Ein Bericht zum Thementag 2012

"Schöne, neue Welt" von Karin Leeb
in: Der Bergbote, Ausgabe 50, September 2012

Der Thementag von Verantwortung zeigen! im Nationalpark Hohe Tauern: Die Ressourcen von morgen. Regionalität und Globalität.

Zum dritten Mal lädt Iris Straßer ihre Netzwerkpartner zu einem philosophischen Austausch mit Bodenhaftung. Ziel des Thementages 2012: das malerische Dörfchen Mallnitz im Nationalpark Hohe Tauern. Für mich eine ganz besondere Freude, denn Gastgeber ist GF Peter Rupitsch, Mann der ersten Stunde bei der Gründung des ersten Nationalparks in Österreich. Mit ihm und anderen Naturfreunden hatte meine Mutter Barbara Leeb Anfang der 90er eine abenteuerliche Fahrt durch die großen Nationalparks der USA unternommen. Ich freue mich ganz besonders auf diese Begegnung. Mit dabei in der Runde der Diskutanten viele bekannte Gesichter (Peter Heintel von der Uni Klagenfurt, Andreas Jesse von autark, Richard Oswald vom Atrio, Maria Theresia Unterlercher von SOS Kinderdorf Kärnten, Helmut Zechner alias Mr. Heyn von der gleichnamigen Buchhandlung) und auch neue Impulsgeber (Michael Gutzmirtl von der Sparda Bank, Josef Marketz von der Katholischen Kirche, Walter Wiedenbauer u.v.m.).

Bei der Themenwahl hat sich Iris Straßer von dem 1932 erschienenen Roman von Aldous Huxley mit dem Originaltitel „Brave New World“ inspirieren lassen. Ganz sicher habe ich diesen Klassiker einmal im Englischunterricht gelesen und erklärt bekommen. Die Erinnerung aber ist nur mehr dunkel. Eine erschreckende Zukunfts-Utopie. Ein diktatorisches System, in dem allen Menschen „Stabilität, Frieden und Freiheit“ garantiert wird. Aber zu welchem Preis? Lesen Sie es selbst nach! Das Buch ist im Wortreich zu finden… 

Zurück von der Utopie aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in die Jetztzeit in den Hohen Tauern. Peter Rupitsch gibt uns einen Rückblick auf die Geschichte der Entwicklung in seinem Nationalpark, den gesellschaftlichen Auftrag und die Herausforderungen der Zukunft. Das alles mit herrlichem Blick auf die imposante Bergwelt ringsum und untermalt vom Plätschern des Wildbaches, der das Nationalparkzentrum BIOS (= Leben) umspült! 

Traditionell starten wir die Diskussion mit einem humorvoll-tiefgründigen Impuls des Philosophie-Professors Peter Heintel in den Tag: Er widmet sich den Themen „Mensch & Natur“, der Wegwerfgesellschaft und zeigt uns kritisch auf, warum wir immer und immer wieder etwas Neues konsumieren möchten. Konsum ist  - sofern es sich nicht um ein lebensnötiges Bedürfnis handelt – Ersatzbefriedigung unserer Sehnsüchte. Das 15. Paar Schuhe, die 8. Jeans, der 4. Kurzurlaub! Ich nehme mich nicht nur als Konsumentin, sondern auch als Wecker von Sehnsüchten ( = Konsum eines Urlaubs im Hochschober) bei der Nase. Ach was, denke ich mir: das ist der Motor unserer Wirtschaft. Wenn wir alle aufhören zu konsumieren, na dann Gute Nacht Wirtschaftswachstum! Wir sehen ja, was passiert, wenn die Mechanismen der Angst und des Zweifels (Krise) den Konsum eindämmen… 

Nächste Frage, die Prof. Heintel aufwirft: Warum sind wir so resistent gegenüber der Katastrophen-Berichterstattung in Nah und Fern? Vielleicht Schutzmechanismus, vielleicht Ignoranz: Nur was uns persönlich tangiert und betrifft, nehmen wir emotional wahr. Alles andere blenden wir aus, lassen wir nicht an uns heran. Soweit so wahr: Aber mir als Mutter passiert es immer öfter, dass Medienberichte, wo besonders auf die Rolle der Kinder eingegangen wird, mich dermaßen aus der Bahn werfen, dass der Schutzmechanismus nicht mehr funktioniert. Eben weil ich emotional betroffen und berührt bin.  

Nach der ersten lebhaften Diskussion macht sich die Gruppe auf zu einem Spaziergang (ich mit einem Marschgepäck, das auch für den Großglockner gereicht hätte) durch das idyllische Seebachtal hinauf (ein paar Höhenmeter ;-) zur Schwussnerhütte. Auf dem Weg dahin führen wir den Austausch in zwei Grupen (Ressourcen / Globalität versus Regionalität) fleißig weiter. Natur-Highlights auf dem Weg zur Hütte: eine Mutterkuh mit Kälbchen (Marke Zotteltier – siehe Foto) und der wunderschöne See (Foto). Bei der Schwussnerhütte (im Stil dem Hochschober von 1929 ähnlich) angekommen, erwarten uns feinste Kärntner Nudel gefüllt mit Bärlauch und Topfen sowie ein sündiger Schweinsbraten. Dem Schwarzbeer-Schmarrn kann ich eisern widerstehen.  

Unsere Arbeitsgruppe befasst sich auf dem Weg zur Mittagspause mit der Frage der Ressourcen von morgen. Wie es so oft ist, wenn es keine strenge Zeit- und Themen-Hüterin mit Gong gibt (Iris Straßers Paraderolle): Wir reden uns bei tagesaktuellen Themen fest: Ressourcen-Einsatz, Ressourcen-Planung… Die vertrackte Kurzfristigkeit unserer Zeit, die Unvorhersehbarkeit, die Psychologie der negativen Berichterstattung hinsichtlich Prognosen in Wirtschaft und Gesellschaft. Lauter spannende Themen. Und was die Ressourcen und den Umgang damit betrifft: Auch grundlegendes Thema in den Hochschober-Führungsgrundsätzen. 

Am Nachmittag, als beide Gruppen im BIOS Seminarzentrum die Ergebnisse der Gruppenarbeit zusammen führen, hören wir weitere wertvolle Impulse zum Spannungsverhältnis zwischen Regionalität und Globalität. Ganz viele Beiträge der Teilnehmer sind wichtig, ganz viel nehme ich wieder für mich persönlich mit. z.B. den Grundsatz von STO-GF Wiedenbauer, den Mitarbeitern hochoffiziell den Auftrag zu geben, sich ausgiebig über wirtschaftlichen Erfolg zu freuen. Über ein gutes Ergebnis nicht hinwegzugehen, sondern es zu zelebrieren. Da fällt mir ein: Vor einem Jahr wurde eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die sich einer neue Feier-Kultur im Hochschober widmen sollte. Die Ereignisse der letzten Monate haben uns da wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht… Doch ganz sicher wird es auch im Rahmen der aktuellen Situation wieder Grund geben, Erfolge zu feiern!  

Was ich ganz besonders am Austausch im Netzwerk von Verantwortung zeigen! schätze: Die Meinung der Kirchen, die Meinung Wirtschaftstreibender, die Meinung von gemeinnützigen Organisationen – sie alle nähern sich den Herausforderungen unserer turbulenten Zeit mit ihrer Brille. Von allen können wir lernen. Sie bereichern das Bild unserer Welt. Rücken oftmals enge Blickwinkel zurecht und lassen neue Sichtweisen zu. Damit wir, als Unternehmer und als Impulsgeber nicht in eine Sackgasse geraten. Denn eines wird mir in fordernden Zeiten immer mehr bewusst: Wir Unternehmer müssen auf unsere eigenen Ressourcen jetzt ganz besonders schauen. Uns auch Hilfe von Außen in Form von neuen Werkzeugen holen. Denn wir sind keine Weisen, die mit der Glaskugel in der Hand richtige Entscheidungen am laufenden Band treffen. Sondern wir sind Menschen mit Fähigkeiten und Fehlern, mit Stärken und Schwächen. Und als solche wollen wir gemeinsam mit Ihnen, unseren Mitarbeitern, die Herausforderungen unserer Zeit meistern!  

Ach ja: Den genüsslichen Abschluss machte eine geniale Jause bei der besten Buschenschank weit und breit. Wir haben hungrig geschmaust und was übrig geblieben ist – ganz besonders nachhaltig – nach amerikanischer Manier mit nach Hause genommen! Danke für diesen wert- und sinnvollen Tag!  

 

 
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