VZ Thementag 2016 im Stift Admont "In den Himmel wachsen"

Qualitativ zu wachsen, ist immer die Entscheidung einer Gemeinschaft – ob das ein Kloster oder ein internationales Unternehmen ist. Diesen und viele andere Gedanken rund um Perspektiven unternehmerischen Wachstums für die Zukunft nahmen die Teilnehmenden des VZ Thementages 2016 am 15. Juli aus dem Stift Admont mit nach Hause.


Alle Fotos zum VZ Thementag 2016 | (picasa)

Zeit spielt eine besondere Rolle im Stift Admont. Das spüren die Teilnehmer des Thementages schon bei der Anreise. Es geht ein wenig langsamer und  manchmal einen Umweg. Entwicklung schwingt in längeren Zyklen, so schwingt auch die Zeit des Tages. Hier hat Langfristigkeit Vorrang, hier will auf lange Sicht will Substanz nicht nur erhalten, sondern gesteigert werden; nicht um des Wachstums willen, sondern um dem Auftrag zu dienen; all dies eingefasst in die Regeln des heiligen Benedikt und die die Organisation und Prinzipien, die seit jeher das Kloster und auch dessen Wirtschaftsbetriebe prägen. Das Kapitel – die Gruppe aller der ewigen Profess zugesagten Mönche –trifft alle wesentlichen finanziellen und personellen Entscheidungen. „Wir sind ein aktiver Aufsichtsrat; wenn Sie so wollen“, lacht Pater Prior Gerhard Hafner bei seinem Begrüßungsreferat im kleinen Festsaal des Stiftes.

Als Stellvertreter des Abtes ist er für alle internen Angelegenheiten verantwortlich, der Innenminister des Klosters sozusagen. „Wir verteilen unsere Verantwortung gut, wir nutzen alle Talente, die die Brüder mitbringen zum Vorteil des Klosters. Ganz nach dem Motto „Ora et labora et lege - Bete, arbeite und lese!“ Sogar die Bauweise des Stiftes in seinen beeindruckenden Dimensionen gibt diese Ausgewogenheit wieder: Die Kirche misst eine Länge von 70 Metern gleich wie das älteste Wirtschaftsgebäude innerhalb der Stiftsmauern, ebenso die Bibliothek. Sie ist mit 70.000 Büchern die größte Klosterbibliothek der Welt.

Franz Pichler, Geschäftsführer der STIA Immobilien Gesellschaft stellt Admont als dynamischen und diversifizierten Wirtschaftsbetrieb vor: „Unser wirtschaftliche Erfolg dient allein der langfristigen Absicherung des Stiftes, wir schaffen Substanz und wir dienen damit der Region. Das Stiftsgymnasium, ein Pflegeheim, Kinderbetreuungseinrichtungen und Asylquartiere – vieles in der Umgebung zeugt davon.“

Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert. (Guiseppe Lampedusa)

Den Weg, der im Anschluss an das Mittagessen in der Stiftsküche durch das Museum in die Bibliothek führt, leitet FH-Prof. Dr. Dietmar Brodel, Studienbereichsleiter der FH Kärnten und selbst Teilnehmer des Thementags, in sehr persönlicher Weise an. Er hat vor einigen Jahren im Stift Admont eine Woche im Rahmen eines Brückenschlags verbracht.

Am Nachmittag ist es dann soweit, mit den Impulsreferaten leiten die fachlichen Begleiter des Tages Peter Heintel und Dietmar Sternad in die Fragen der Themengruppen ein:‚Macht Wachstum glücklich? ‘ und ‚Quantität oder Qualität: Was zählt unterm Strich? ‘

Einige Gedanken von em. Univ.-Prof. Dr. Peter Heintel zur Frage, ob denn Wachstum glücklich mache:

  • Kann man Glück direkt intendieren?
  • "Alles nach Maß." Doch mit dem Maß ist es nicht so einfach, ist die Freiheit des Menschen ist doch prinzipiell unbestimmt; die hat kein Maß. Wachstum und Maßlosigkeit der Freiheit hängen zusammen. Freiheit, so Heintel weiter, schafft und braucht Macht.
  • Die Größe eines Landes oder einer Stadt zu erweitern war historisch auch eine Form des Schutzes. Indem das Wichtige in der Mitte steht und es gelingt, den Umraum zu erweitern, Grenzen hinauszuschieben, sichert man Wichtiges ab.
  • Geld wird zum Indiz für Macht und die Position in der Gesellschaft.
  • Unsere Gesellschaft ist auf das Individuum ausgerichtet. Nachdem es das ICH aber nicht gibt, wie definiere ich mein ICH? „Ich bin, was ich habe.“ Hieraus resultiert die zentrale Stellung des Eigentums. Das Werk wird zur Verdeutlichung des Ich: „Ich bin, was ich schaffe.“
  • So wurden die Wünsche des Menschen in den Konsum transferiert, Produkte geben Antworten auf die Wünsche des Menschen, ob Kosmetik ewige Jugend verspricht oder das Handy Omnipräsenz ermöglicht.

So einfach scheint die Frage nach dem Glück und dem Wachstums also nicht zu sein, schließt Heintel seinen Impuls und gibt viele Gedanken in die Themengruppe mit.

FH-Prof. Dr. Dietmar Sternad widmet sein Impulsreferat den Möglichkeiten und Perspektiven qualitativen Wachstums.

  • Es gibt gute Beispiele, wie sich Unternehmen mit ihrer Qualität bewusst und differenziert auseinandersetzen; Wachstum ergibt sich hieraus als Konsequenz. Als Beispiel dient  Illy Kaffee, Qualität umfasst hier viele Dimensionen: Funktionalität, Zuverlässigkeit, Schönheit und Stil, Generosität als Großzügigkeit, Einfachheit und ethische Verantwortung. All diese Blickwinkel lassen das Produkt gut werden. Definiert sich Qualität doch auch als „Güte“; das heißt, etwas ist gut.
  • Es gibt verschiedene Handlungsfelder, in denen Unternehmen Qualitätsbemühungen vorantreiben können. Die Leistungsqualität in ihrer Kundenperspektive ist eine Häufige, allerdings bei weitem nicht die Einzige. „Zu viele Unternehmen hören hier auf“, so Sternad. "Dabei bergen auch Blickwinkel der Arbeits-, der Lebensqualität und der nachhaltigen wirtschaftlichen Qualität wertvolle Chancen; besonders die Prozessqualität, die in der Mitte Qualität in all ihren Dimensionen steuert und wirksam werden lässt."

Qualitativ zu wachsen, so Sternad, heiße demnach keinesfalls, sich aus dem Wettbewerb zurückzuziehen. „Gesundes quantitatives Wachstum ist vielmehr oft das Ergebnis qualitativen Wachstum.“

Die Arbeitsgruppen erweitern die Perspektiven in der angeregten Diskussion in den beiden Gruppen. Die zentralen Ergebnisse der Diskussion der ersten Themengruppe:

  • Wenn sich die Frage danach stellt, ob Wachstum glücklich macht, dann braucht es die Gegenfrage: Welches Wachstum denn überhaupt? Bei Kosten oder Krebs brauche es Wachstum nicht, bei Liebe, Macht, Sicherheit, frei verfügbarer Zeit, und Gesundheit hingegen schon.
  • Es gilt, Qualität als Stufe von der Quantität zu stellen.
  • Qualität messen? Man muss über Qualität reden, das geht in kleinen Einheiten bis 100 Mitarbeiter gut; werden Systeme größer kommt es oft zur Systemüberspannung, dann wird Wachstum problematisch.
  • Was bringt die Zukunft mit einer Generation von Jugendlichen, die teils in die virtuelle Welt geflüchtet ist. Sind diese jungen Menschen kritisch genug und geistig wachsam, den Entwicklungen ungezügelten Konsums mündig entgegenzutreten?

Die zweite Themengruppe befand die Frage ‚Qualität oder Quantität – was zählt unterm Strich‘ eigentlich als unzulässig ;-) Sie führte die Diskussion vom SOS Kinderdorf über die Bäckerei Nadrag, Red Bull bis zur Reglementierung des Milchmarktes – ein bunter Bogen hin zu mehreren Thesen:

  • Qualität werde eher subjektiv definiert und sei schwerer messbar als die Quantität, die leichter objektivierbar sei.
  • Qualität oder Quantität: "Das eine kann nicht ohne das andere sein."
  • Lokale und regionale Angebote würden eher qualitativ bewertet, globale Unternehmen wohl eher quantitativen Gesetzen gehorchen. Familienunternehmen haben als Ziel nie die Vergrößerung per se, sondern zielen dabei immer auf die langfristige Absicherung von Arbeitsplätzen ab und nehmen ihre soziale Verantwortung für das Umfeld als Aufgabe wahr.

Sternad legt einen Gedanken zur Präsentation der Themengruppe dazu: Qualitätsbewusstsein hänge nicht von der Größe ab, es müsse im Unternehmen gewollt sein:

„Was wirklich wesentlich ist, wird immer im Diskurs der Führungskräfte festgelegt. Und wenn sich wie hier im Haus eine Gemeinschaft – auch ein international agierenden Unternehmen darauf verständigt, Qualität in den Vordergrund zu stellen – was spricht dagegen.“


Kulinarisch begleiten uns die Klosterkost der Stiftsküche und die Weine des stiftseigenen Weinguts Dveri Pax in Slowenien durch den Tag – wir sind sehr dankbar: Die benediktinische Gastfreundschaft durchzog spürbar und kostbar den VZ Thementag 2016.

Wir danken allen TeilnehmerInnen für den intensiven und verbindenden Tag, den Professoren Peter Heintel und Dietmar Sternad für die reiche fachliche Begleitung und dem Stift Admont für die außerordentliche Gastgeberschaft, die wertvollen Gedanken und tiefen Einblicke!

Dr. Iris Straßer und das Team von Verantwortung zeigen!





Der Tag bot die Möglichkeit, sich mit Themen wie Glück, Freiheit, Maßlosigkeit und Güte auseinander zu setzen. Wie messen wir Qualität? Was ist überhaupt meßbar? Besonders interessant fand ich den Einblick in den Wirtschaftsbereich des Stift Admont: Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Pflegeheime, Gymnasium, Kunstsammlung, Weingut=> der eine Teil ermöglicht den anderen Teil Reinvestieren=> der Schlüsel zum Erfolg! Nachhaltiges Wirtschaften gelingt nur durch gezielte Investition der erzielten Gewinne in Bildung, Wirtschaft und Region. Soziale Verantwortung, darf kein Schlagwort sein, sondern muss gelebt werden.=> Besonders beeindruckend erlebte ich die Stiftsbibliothek. Ein heller Raum des Wissens, der Weisheit und des Glaubens, der selbst vom Feuer verschont wurde. Ich sage DANKE, dass ich dabei sein durfte.

---------------------------------------------

Qualität im Kleinbetrieb - unterlässlich
Der heutige Tag war wunderbar - vielen Dank!


--------------------------------------------

Ein bereichernder Tag mit einer Gruppe vielfältig interessierter Menschen, die einander mit Wertschätzung, Interesse und Offenheit begegnet sind. Sehr angenehme Atmosphäre, die natürlich u.a. auf die tolle Organisation, das "kleine Extra" :-), aber auch darauf zurückzuführen ist, dass das Zeitmanagement flexibel gehandhabt wurde. Sehr entspannt, kreativ und angenehm. Ganz herzlichen Dank dem VZ Team!!

--------------------------------------------

Neues interessante "Unternehmen" kennengelernt. Nette und spannende Menschen getroffen. Viele Anregungen bekommen. Interessante Gespräche. Alles super organisiert.

--------------------------------------------

Der heutige Tag war für mich äußerst positiv, interessant, lehrreich, hat mich mit netten Menschen zusammengeführt und meinen Horizont vergrößert. Beeindruckt bin ich vom Stift Admont, hier möchte ich gerne einen ganzen Tag zwecks intensiver Besichtigung verbringen. Die Diskussion in der Gruppe über individuelles Wachstum und Glücksgefühle wird mir noch länger in Erinnerung bleiben. Ich freue mich schon auf den nächsten Thementag! Herzlichen Dank!

--------------------------------------------

Es war ein sehr passender Ort für die Veranstaltung und Themenstellung. Die Begegnung mit Pater Prior und sein Vortrag waren eine wunderbare Einstimmung auf das Thema. Die benediktinischen Grundsätze die besten Antworten auf die gestellten Fragen! Danke!

---------------------------------------------

- wir haben ein Juwel Österreichs kennengelernt
- wir haben einen groben Einblick in die Welt der Benediktiner bekommen, die Regeln sind sehr weise und garantieren langfristigen Bestand und Nachhaltigkeit.
- die Begriffe "Glück", "Quantität" und "Qualität" müssen im individuellen Kontext beurteilt werden. Vielen Dank für den schönen Tag.


--------------------------------------------

Nachdenk und Ruhepause - aus dem Alltag aussteigen und für das Unternehmen vordenken. Anregung zur weiteren Entwicklung von Mitarbeitern...

--------------------------------------------

Viele gute Gedanken, Inputs und Anregungen mit nach Hause genommen.
Tolle Organisation- Danke
Flexibler Zeitplan - Perfekt


--------------------------------------------

Spannend mit zig neuen Gedanken von ganz lieben und interessanten Menschen! Die Wachstumsfrage war und ist nicht vollständig zu klären, soll sie auch meiner Meinung nicht sein, weil sie aus zu vielen Aspekten besteht! Glück ≠ Wachstum

--------------------------------------------

 
Verantwortung zeigen! Netzwerk | STRASSER & STRASSER | Mail: kontakt(at)verantwortung-zeigen.at | Tel.: +43(0)463|507755-0
VZ! finanziert sich über die Beiträge der Netzwerkunternehmen und arbeitet ohne öffentliche Mittel. Ein Danke allen, die mit dabei sind!