VZ Impulsnachmittag | Von der Kür zur Pflicht | 19.04.2016, Hart/Graz


Wie die Kommunikation von Nachhaltigkeit an die Stakeholder optimal gelingt und was Unternehmen ab 2017 hinsichtlich gesetzlicher Verpflichtung zur Berichterstattung zu erwarten haben, dazu trafen sich Führungskräfte beim VZ Impulsnachmittag „Von der Kür zur Pflicht“ am 19.04.2016 beim Gastgeber KNAPP in Hart bei Graz.


    VZ Impulsnachmittag . Von der Kür zur Pflicht
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„Nachhaltigkeit hat es im Familienunternehmen KNAPP immer schon gegeben. Es war und ist Anliegen der Eigentümerfamilie und damit Teil der Kultur unseres Unternehmens“, beginnt Gerald Hofer, CEO der Knapp AG sein Begrüßungsreferat beim Impulsnachmittag zur Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung. „Unser Ziel ist es, Geld zu verdienen um es wieder zu investieren in eine langfristig erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung und die Mitarbeiter am Erfolg auch partizipieren zu lassen.“ So habe KNAPP mit Nachhaltigkeit früh begonnen und es immer als Kulturthema verstanden; die erwartete gesetzliche Verankerung habe das Unternehmen damit wohl vorweggenommen: „Wir machen mehr als gefordert und wir engagieren uns gerne sozial. Wer sich einer gewissen Ethik verpflichtet, werde aber leider, so Hofer, in Österreich meist noch mehr verpflichtet.“

Diesen Ball greift Dr. Wolfram Tertschnig vom BMLFUW in seiner Funktion als Nachhaltigkeitskoordinator des Bundes später auf. Und er berichtet über den Stand und die erwarteten Ergebnisse der gesetzlichen Verankerung der Berichterstattung zu nichtfinanziellen Kennzahlen ab 2017 berichtete. Es sei zu erwarten, dass die Verpflichtung inhaltlich nicht über den Rahmen der EU-Richtlinie hinausgehen und damit nur börsennotierte Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sowie Banken und Versicherungen treffen werde, in der Lieferkette seien Auswirkungen auf kleinere Unternehmen zu erwarten.

Peter Giffinger, Geschäftsführer von Rigips Saint Gobain Austria spannt in seinem Impulsreferat den Bogen vom 350 Jahre alten internationalen Konzern und dessen Rahmenvorgaben bis hin zum österreichischen Weg vom ersten Bericht im Jahr 2007 bis hin zur systematischen Bearbeitung des Themas als heute integrierter Teil sämtlicher Wertschöpfungsprozesse. Entscheidend sei, die inhaltliche Auseinandersetzung der Berichtfassung vorzulagern, vorab Ziele und Kennzahlen festzulegen und Nachhaltigkeit im Team zu verankern.

In diese Kerbe schlägt auch Claudia Kapeller, Geschäftsführerin der Rehadruck in Graz: Der Nachhaltigkeitsbericht ist quasi ein grüner Faden, er gibt Orientierungshilfe nach innen und lädt nach außen zum Dialog mit bestehenden und künftigen Geschäftspartnern.

Den Weg des integrativen Geschäftsberichtes beschreitet die Knapp AG seit Jahren, berichtet Katrin Pucher, auch verantwortlich für Nachhaltigkeit in ihrem Impulsstatement. „War es 2009 erst ein Absatz zu CSR, so widmen wir heute einen nennenswerten Teil unseres Berichtes den Themen der Nachhaltigkeit. Wir geben Einblick in unsere Kultur und unser Handeln als verantwortliches Unternehmen, so Pucher. „Wir tun dies nicht entlang der GRI Norm, sondern anhand von Erfolgsgeschichten. Wir lassen Zahlen sprechen und wollen unser Engagement damit greifbar machen: So rechnen wir co2-Einsparungen in Bäume um, damit sich die Leser – Geschäftspartner, Lieferanten und Mitarbeiter - etwas unter den Angaben vorstellen können."

Einige Sequenzen aus der anschließenden Diskussion:

  • Das ‚one size fits all‘-Prinzip der Berichterstattung gibt es nicht, daher sei auch die Harmonisierung schwierig: Nachhaltigkeitsberichte können unterschiedliche Intentionen verfolgen. Wer liest unsere Nachhaltigkeitsberichte? Der Kapitalmarkt? Die Bürger in der Umgebung? Die Mitarbeiter? Gibt es nicht eine Zielgruppenunverträglichkeit und braucht es nicht unterschiedliche  Formen der Kommunikation?
  • Ob eine externe Qualitätssicherung aus Sicht der Unternehmen sinnvoll erscheine, möchte Tertschnig wissen. Glaubwürdigkeit, so Giffinger, komme vor allem von innen. Dies bestätigt Robert Maierhofer, Leiter Qualität, Sicherheit und Umwelt bei Saubermacher: „Relevant ist, Nachhaltigkeit über alle Managementprozesse drüberzulegen und eine Kultur zu entwickeln, weniger der Normenbezug entscheidet. Wird der Bericht durch die externe Überprüfung wirklich wichtiger und wertvoller?
  • Der Staat hätte, so Tertschnig, sehr wohl die Verantwortung und Möglichkeit, durch die Gestaltung von Rahmenvorgaben das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu gestalten durch Förderpolitik, Vergabepolitik und auch durch eine Differenzierung des Finanzausgleiches. Kann und sollte die Vorlage eines Nachhaltigkeitsberichtes nicht auch Vorteile durch verkürzte Vergabeverfahren bringen? Dies würde, so Maierhofer in Richtung Tertschnig, wohl eine doppelt positive Debatte auslösen.
     

Der Trend zu mehr Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit und Transparenz gegenüber den Stakeholdern wird jedenfalls zunehmen, das erwartet die klare Mehrheit der Unternehmen im Süden Österreichs. So ein Ergebnis der Kurzumfrage zur Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung aus Sicht südösterreichischer Unternehmen, die Iris Straßer im Rahmen des Impulsnachmittags ebenfalls vorstellte.

Am Impulsnachmittag teilgenommen haben Verantwortliche u.a. von E-Werk Gösting, KNAPP, JMB Fashion Team, Rettet das Kind, Rehadruck, Rigips Saint Gobain, Ringana, Saubermacher und Wirtschaftskammer Steiermark.



Wir danken allen TeilnehmerInnen für ihr Kommen und die Diskussionsbeiträge, besonders Herrn Dr. Tertschnig für seinen Vortrag und der KNAPP AG für die ausgezeichnete Gastgeberschaft!






Finden Sie hier die Präsentation von Dr. Tertschnig zum Download(pdf)

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