"Man nimmt einen Mehrwert mit"

 

 

Mag. Richard Oswald,
Center-Manager ATRIO,
im Interview

Herr Oswald, was assoziieren Sie als Führungskraft mit dem Begriff unternehmerische Verantwortung?

Richard Oswald: Unternehmerische Verantwortung würde ich klassisch als Verantwortung über das Mindestmaß hinaus definieren. Jeder Mensch hat – ob als Privatperson, Unternehmer oder Führungskraft - Verantwortung zu tragen. Und wenn nun diese Verantwortung über das Standardmaß hinaus geht, das es braucht, um einen Betrieb ordentlich zu führen, wenn diese Verantwortung in einem Engagement endet, einem Engagement für das Unternehmen, für die Mitarbeiter, für die Kunden, dann wird unternehmerische Verantwortung neu definiert.

In welchen Bereichen in Ihrem Betrieb lassen sich wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung gut verbinden und wo spießt es sich?

Richard Oswald: Im Bereich der Technik ist es nicht schwer, weil jede Maßnahme wirtschaftlich darstellbar ist. Wir als SES (Spar European Shopping Centers, Anm.) haben sehr früh begonnen, unsere Handelsimmobilien technisch nachhaltig umzurüsten. Es gab das Bekenntnis, den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren und dafür auch Investitionen in die Hand zu nehmen. Also war es auch für mich im Atrio von Anfang an gut möglich, nachhaltig wirksame Maßnahmen im Energiebereich zu setzen. Was leicht und schwer gleichzeitig geht, sind Schritte im Personalbereich. Schwer deshalb, weil sie nicht in wirtschaftlichen Kennzahlen darstellbar sind. Sie bedürfen der Zustimmung der Geschäftsführung und da ist Überzeugungsarbeit meinerseits gefragt.

Braucht es mitunter auch Überzeugungsarbeit bei den Mitarbeitern?

Richard Oswald: Selbstverständlich, ich bin ja bei jeder Maßnahme auf die Umsetzung durch meine Mitarbeiter angewiesen.  Ich muss sie also motivieren, überzeugen und sensibilisieren. In der Technik ist das weniger dramatisch, weil Technik funktioniert, sobald sie installiert ist, ob der Techniker sie nun für gut befindet oder nicht. Aber bei allen Maßnahmen im Personalbereich ist Überzeugungsarbeit enorm wichtig. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Der Konzern stellt den Mitarbeitern eine gesunde Jause zur Verfügung, die unter anderem Obst beinhaltet. Ich habe gesagt, ich möchte da nur regionales und saisonales Obst dabeihaben. Einzige Ausnahmen sind Bananen und Ananas, weil die bei uns nicht wachsen. Aber ich möchte keine Erdbeeren im Winter und keine Trauben aus Südafrika, weil das einfach nicht zu unserer Philosophie passt. Wenn wir uns in so vielen Belangen um Nachhaltigkeit bemühen, dann können wir nicht gleichzeitig Obst essen, das mit Schiffen über die Weltmeere gekarrt wurde. So etwas kann ich aber nicht einfach nur anordnen, das bringt nichts. Wenn ich hingegen Überzeugungsarbeit leiste und dann ein Kopfnicken bekomme, ist es vielleicht wirklich angekommen. Und dann besteht auch die Chance, dass man die Dinge aus dem Job mit nach Hause nimmt.

Wie stellen Sie fest, wie nachhaltig Ihr Unternehmen ist?

Richard Oswald: Im technischen Bereich ist es einfach, weil ja die Techniker sofort zu messen anfangen. Wir haben im vergangenen Jahr unsere Außenwerbung auf LED umgestellt – da werden Kilowatt eingespart, da sinkt der Wartungsaufwand, all das kann man messen. Was Mitarbeitermaßnahmen anbelangt, ist die Darstellbarkeit schwieriger, zumal es uns ja erst seit sieben Jahren gibt und ich selbst einen kleinen Stab von 25 Mitarbeitern verantworte. Allerdings führen wir konzernweit alle zwei Jahre eine Mitarbeiterbefragung durch, die mir Feedback für meinen gesamten Standort gibt, auch zur Führungskraft.

Nachhaltiges Handeln bedeutet auch, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Was tun Sie heute konkret, damit Ihr Betrieb in fünf Jahren gut da steht?

Richard Oswald: Ich glaube, dass nachhaltiger Erfolg ein permanentes Arbeiten verlangt. Ich kann nicht sagen, dass wir jetzt irgendeine Maßnahme setzen, die uns garantiert, dass wir in Zukunft immer noch erfolgreich sein werden. Aber ich kann sehr wohl durch viele einzelne Aktivitäten, durch Sensibilisierung, durch meine Einstellung und die Einstellung meiner Mitarbeiter dazu beitragen, dass wir eine bessere Basis für Erfolg schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft jene Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein werden, die sich neuer Werte besinnen und dies auch ihren Kunden kommunizieren. Ob bei Dienstleistung, im Handel oder in der Gastronomie, alles ist überall und jederzeit zum gleichen Preis verfügbar. Der Kunde wird also für seine Kaufentscheidung neue Kriterien heranziehen. Ein Kriterium kann dann durchaus sein, dass er ein Unternehmen wählt, das sich nachhaltig positioniert.

Welchen Nutzen zieht Ihr Unternehmen aus der Teilnahme am Netzwerk Verantwortung zeigen!?

Richard Oswald: Auf der einen Seite sind da immer die neuen Ideen - wir im Netzwerk sind ja ein sehr bunte Truppe aus den Bereichen profit und non-profit. Bei jedem Treffen, bei jeder Veranstaltung, hört man von neuen Ideen, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre. Ein weiterer Nutzen ist die Sensibilisierung des gesamten Teams - ich berichte ja intern bei unserem Jour fixe über alle Netzwerk-Aktivitäten. Und seit der ständig steigenden Teilnahme am Engagementtag durch einen Teil meiner MitarbeiterInnen ist das noch stärker verwurzelt Der Engagementtag ist generell ein ganz starker Ankerpunkt im Netzwerk. Er schärft die Sensibilität und das Verständnis dafür, was Verantwortung zeigen! eigentlich macht.

Welche Funktion sollte Ihrer Meinung nach das Netzwerk in zehn Jahren im Land haben?

Richard Oswald: Ich neige dazu, immer extrem über den Tellerrand zu schauen. Deshalb sage ich: in zehn Jahren sollte bei allen politischen Entscheidungen, die im Land getroffen werden, Verantwortung zeigen! eingebunden sein. Weil hier im Netzwerk Entscheidungsträger und Meinungsbilder zusammen sind, die ein unglaubliches Knowhow haben, die jeden Tag an der Front stehen, mit Menschen zu tun haben, Leistungen bringen  müssen, Erfolge bringen müssen und das ist das, was der Politik und somit dem Land fehlt.

 
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